Aufklärung eines häufigen Missverständnisses
Der Leitfaden beginnt mit der Beantwortung einer häufig von Konstrukteuren gestellten Frage: Da sowohl das Blockierdrehmoment als auch das Anlaufdrehmoment bei Stillstand auftreten, handelt es sich dann um denselben Parameter? Gemäß der Norm IEC 60050-114 (entsprechend GB/T 2900.25) zeigen die Definitionen einen entscheidenden Unterschied auf, der sich direkt auf die Berechnung der Motorleistung auswirkt.
Das Blockierdrehmoment ist definiert als „das minimale gemessene Drehmoment, das erzeugt wird, wenn der Motor mit Nennfrequenz und Nennspannung betrieben wird und der Rotor in allen Winkelpositionen blockiert ist“. Im Gegensatz dazu ist das Anlaufdrehmoment „das elektromagnetische Drehmoment abzüglich Reibungs- und Winddrehmoment während der Anlaufphase von null auf Lastdrehzahl“.
Punkt vs. Prozess: Ein grundlegender Unterschied
Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer grundlegenden Natur. Das Blockierdrehmoment stellt einen einzelnen, spezifischen Datenpunkt dar – den garantierten Minimalwert im ungünstigsten Fall. Diese konservative Spezifikation berücksichtigt die systembedingten Drehmomentschwankungen, die durch Oberschwingungen, die Nutengeometrie und die Geometrie des Rotormagnetkreises verursacht werden. Dies ist besonders kritisch bei einphasigen Asynchronmotoren, bei denen nicht-kreisförmige Drehfelder erhebliche Drehmomentwelligkeiten hervorrufen können.
Das Anlaufdrehmoment beschreibt jedoch einen gesamten Prozess, nicht einen einzelnen Wert. Es ergibt eine kontinuierliche Kurve der Drehmomentwerte über die Zeit und die Drehzahlentwicklung. Obwohl das Drehmoment bei exakt null Umdrehungen pro Minute bei gut konstruierten Motoren, bei denen Reibungsverluste vernachlässigbar sind, numerisch dem Wert bei blockiertem Rotor nahekommen kann, bleibt das zugrunde liegende Konzept ein anderes.
Praktische Auswirkungen für Anwendungen in kernlosen Motoren
Für Anwender kernloser Motoren ist diese Unterscheidung mehr als nur theoretischer Natur. Die Angabe des Blockierdrehmoments als minimaler Messwert dient der Zuverlässigkeitssicherung – sie gewährleistet, dass selbst unter ungünstigsten Drehmomentschwankungen die niedrigste mögliche Motorleistung die Anforderungen der Anwendung übersteigt und somit ein zuverlässiges Anlaufen jederzeit garantiert ist.
„Deshalb geben unsere Datenblätter für kernlose Motoren das Blockierdrehmoment mit konservativen Sicherheitsmargen an“, erklärte Dr. Wang, Chief Technology Officer bei Sinbad Motor. „Bei Anwendungen in der Medizintechnik, wo ein Fehlstart nicht toleriert wird, ermöglicht das Wissen, dass dieser Parameter einen zertifizierten Mindestwert und keinen Durchschnitts- oder typischen Wert darstellt, den Ingenieuren eine sichere Konstruktion.“
Der Leitfaden kommt zu dem Schluss, dass die Begriffe zwar in der Industriepraxis früher oft synonym verwendet wurden, Präzisionstechnik jedoch eine genaue Angabe erfordert. Konstrukteure sollten zur eindeutigen Kommunikation entweder vom „Anlaufdrehmoment bei Stillstand“ oder vom „minimalen Anlaufdrehmoment“ (dem tiefsten Punkt der Kennlinie, der nicht unbedingt bei Stillstand auftritt) sprechen.
Über Sinbad Motor
Sinbad Motor ist ein führender Hersteller von Hochleistungs-Kernlosen-Gleichstrommotoren und bietet kundenspezifische Motorlösungen für Anwendungen in der Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Robotik und industriellen Automatisierung. Dank fortschrittlicher Konstruktionskompetenz und IEC-konformer Prüfverfahren liefert das Unternehmen Motoren, die höchsten Ansprüchen an Drehmoment und Zuverlässigkeit gerecht werden.
Veröffentlichungsdatum: 16. Dezember 2025